Achtsame Waldspaziergänge gegen Stress und innere Unruhe und ihre Unterschiede zum oftmals üblichen Waldspaziergang

Wirklich achtsam durch den Wald zu Spazieren unterscheidet sich deutlich von vielen "gewöhnlichen" Spaziergängen. Es kann für Dich eine sehr wichtige und nützliche Hilfe gegen Stress, innere Unruhe und weitere Ursachen und Folgen des Burnoutsyndroms sein.
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Im Wald gemütlich spazieren zu gehen ist an sich schon sehr erholsam und gut geeignet um z.B. Stresshormone im Blut zu reduzieren, den Körper mit viel Sauerstoff zu versorgen und natürlich zum Entschleunigen. Doch was sind „achtsame Waldspaziergänge“?
Bevor Missverständnisse aufkommen, es ist generell gut in die Natur und vor allem in den Wald zu gehen. Tatsächlich ist es aber oftmals so, dass wenn sich überhaupt die Zeit genommen wird im Wald „eine Runde zu drehen“, diese gar nicht wirklich im „Hier und Jetzt“ stattfindet.
Die Menschen spazieren dann zwar durch den Wald, aber im Kopf dreht sich dabei ein Gedankenkarussell über die Vergangenheit, die Zukunft, das Gestern, das Morgen, die Arbeit und all die Dinge die noch gemacht werden müssen oder könnten. Dies betrifft vor allem Menschen die besonders Burnout gefährdet sind oder bereits in einem solchen Zustand stecken. Das „achtsame Spazieren“, egal ob im Wald, im Park oder an einem anderen Ort in der Natur, findet im „Hier und Jetzt“ statt und das mit Deiner vollen Aufmerksamkeit und Deinem konzentrierten Bewusstsein.



Das achtsame Spazieren im Wald und sein Unterschied zum gewöhnlichen Waldspaziergang

Wenn Du ein sehr ausgeglichener, ruhiger und entspannter Mensch bist und dabei hauptsächlich im „Hier und Jetzt“ lebst, dann wist Du kaum einen Unterschied feststellen können. Für Dich ist der normale Spaziergang ohnehin schon grundlegend mit einer gewissen Achtsamkeit verbunden. Den überwiegenden Teil der Bevölkerung betrifft dies jedoch leider nicht. Sie gehen mit geringer oder nahezu keiner Achtsamkeit los.
Dauerstress, Dauererreichbarkeit, das Leben im Gestern und Morgen und unzählige Probleme führen zu einem unbewussten und unachtsamen Handeln. Viele Menschen sitzen selbst im Wald in ihrem Verstand zusammen mit einem Dauergrübeln fest. Das ging mir früher genauso…
Du kannst an folgenden, teils zum Vergleich überspitzt formulierten Unterschiedspunkten feststellen wie es bei Dir steht:

Standard Waldspaziergang:

  • Strecke ablaufen, oft nach unten schauen, stramm auf dem Weg durch den Wald laufen, schnell und direkt zum Ziel, man hat ja noch anderes zu tun.
  • Hunderte Gedanken denken die nichts mit dem Wald, Deinem aktuellen Weg oder der Umgebung und den Emotionen die sie auslösen würde zu tun haben.
  • Obligatorischer und mehrfacher Blick aufs Smartphone nicht vergessen, am besten noch Social Media und Co im Wald nutzen. Thema „Überkonsum und Sucht von Medien
  • Emotionen und Unruhe- oder gar Stressgefühle kommen, die jedoch überhaupt nicht mit der aktuellen Tätigkeit des Spazierens zusammenpassen, sondern aus dem Verstand durch das ständige Denken entsprungen sind.
  • Am Ende des Weges wurde kaum etwas gesehen und einfach das Ziel des Spaziergangs stur abgelaufen.

So findet der normale Waldspaziergang natürlich nicht bei allen Menschen statt, es wurde bewusst die überspitze Variante ausgesucht. Teils gibt es auch plötzliche Tendenzen Richtung Achtsamkeit vor allem wenn z.B. besonders schöne Stellen im Wald besucht werden oder ein Reh zufällig den Weg kreuzt. Das holt viele Menschen zumindest kurzeitig ins „Hier und Jetzt“. Wenn man allerdings völlig im Verstand versunken und damit unachtsam ist, dann kann einem selbst eine solche Situation entgehen. Das habe ich auch schon bei vielen Spaziergängern im Wald beobachtet. Selbst zu zweit oder in Gruppen wird laut über Probleme geredet, die Rehe dabei verscheucht, das Smartphone gezückt, laut telefoniert, geraucht, die Kippe hingeschmissen oder mit dem Hund der an der Leine aggressiv geschrien weil er nicht hören will.

Achtsamer Waldspaziergang:

  • Du läufst die Strecke bewusst ab, schaust Dich rechts und links um, hältst inne, bleibst ab und zu stehen, fühlst die Umgebung, den Wind und riechts die Bäume, jede Stelle im Wald riecht anders, Du nimmst alles so achtsam wie möglich mit allen fünf Sinnen war. Das Ziel kennst Du zwar, aber der Weg ist für Dich das Ziel und Du gehst auch einfach mal eine längere Strecke, einen anderen Weg, oder spontan Querfeld ein.
  • Wenn Gedanken in Deinen Kopf kommen sollten, die nicht zu Deiner jetzigen Aktivität im Wald gehören, dann schau sie Dir kurz an, bewerte sie nicht, versuch sie nicht zu beantworten und lass sie ziehen, so wie bei einer guten Meditation. Im Idealfall kommen irgendwann keine Gedanken dieser Art mehr. Du bist nur noch im Wald, anwesend im „Hier und Jetzt“, im Flow… Deine Emotionen entstehen nicht durch den Verstand, sondern durch Deine tatsächliche Umgebung und Deiner Interaktion mit dieser. Vielleicht fängst Du an Blätter, Blumen, Kräuter oder Pilze zu sammeln, je näher Du mit Achtsamkeit an der Natur bist desto besser.
  • Wenn Emotionen bei Dir aufkommen, dann aufgrund von Dir in Bezug zu Deiner Umgebung. Im Wald sind solche Emotionen – wenn Du tatsächlich im „Hier und Jetzt“ bist – meist sehr positiv. Man wird ruhiger, entspannter, Serotonin und andere Glückshormone werden gebildet und vermehrt ausgeschüttet. Man erlebt Freude und ein „angekommen sein“, das bis hin zu einem Einheitsgefühl reichen kann. Je länger Du in der Natur bleibst und umso regelmäßiger Du sie besuchst, desto mehr werden sich solche Gefühle einstellen. Wenn Du hier wirklich einmal Angst oder Sorgen haben solltest, dann höchstens, weil ein Wildschwein in der Abenddämmerung grunzt.
  • Wenn Du achtsam unterwegs warst, dann wirst Du am Ende Deines Weges auf etliche schönen Erfahrungen mit der Natur und auch Dir selbst zurückgreifen können. Diese Erfahrungen nimmst Du mit nach Hause, oft auch bis in Deine Traumwelt. Wenn Du im Gegensatz dazu den Spaziergang für das Grübeln über die Arbeit, die Geschäftszahlen, den bösen Chef oder die fiesen Kollegen genutzt hast, dann wird davon nicht viel bleiben, denn höchstwahrscheinlich hast Du auch gar nicht viel mitbekommen in diesem Zustand.

Die wichtigsten Regeln beim achtsamen Spaziergang in der Natur

Achtsam zu sein heißt das zu erleben, was im „Hier und Jetzt“ ist und zwar mit all Deinen Sinnen und darüber hinaus. Was heißt das nun im konkreten Beispiel?

Nutze Deine fünf Sinne:

  1. Sehen:
    Schau Dir Deine Umgebung ganz genau an, nicht nur den Weg, die Vegetation und die Tiere, schaue Details an, wie sieht die Rinde eines Baumes aus, welche Insekten leben da im Moos oder beobachte einen Ameisenhaufen eine Weile. Sieh wie wunderbar die Natur ist.
  2. Hören:
    Im Wald gibt es nicht nur das schöne Vogelgezwitscher zu hören. Höre auch auf das Windrauschen, auf die Blätter, Du kannst sogar im Frühling hören wie der Saft in die Bäume schießt, wie Zapfen knacken, wie Eichhörnchen ihre Mahlzeit futtern oder auch kleine Waldmäuse ihr Nest bauen und sich im Laub hinterherjagen.
  3. Riechen:
    Waldluft riecht wunderbar klar, frisch und aromatisch. Wenn Du genau riechst, kannst Du unzählige Aromen und feinste Nuancen erkennen. Jeder Baum riecht anders, rieche an seiner Rinde, rieche am Moos oder Laub, auch viele Pilze kannst Du von einigen Metern Entfernung bereits riechen. Riech an den Blumen und Wildkräutern am Wegesrand. Der Geruchssinn wird von den wenigsten Waldbesuchern ausgiebig genutzt, wenn sie unterwegs sind. Zum achtsamen Waldspaziergang gehört er auf jeden Fall dazu.
  4. Schmecken:
    Wie viele Menschen schmecken wohl ihren Spaziergang? Probiere die Heidelbeeren und Brombeeren im Wald. Kauf Dir ein Wildkräuterbuch, das bringt Dich übrigens sehr nah an das „Hier und Jetzt“, wenn Du im Wald gezielt Wildkräuter suchst, sie direkt probierst oder auch Pilze sammelst. Bei solchen Wildsammlungen sollte jedoch eine Verwechslung ausgeschlossen sein. Du kannst entweder gezielt Arten sammeln die sehr leicht zu erkennen sind oder Dich für die ersten Touren bei einem erfahrenen Wildkräuter oder Pilzsammler melden und diesem anschließen.
  5. Fühlen/Tasten:
    Den Wald zu fühlen ist schwierig, wenn man nur auf dem Weg zum Ziel „rennt“. Berühre die Bäume an der Rinde, umarme doch auch mal einen Baum. Das ist keine „Esoterik“, sondern wissenschaftlich belegt sinnvoll, denn Bäume produzieren unzählige verschiedene Gemische aus ätherischen Ölen, die vor allem auch von der Rinde abgegeben werden. Einige davon senken nachweißlich den Stresslevel und haben positiven Einfluss auf unsere Hormonspiegel. Einige dieser Stoffe wie z.B. die Tannine wurden wissenschaftlich besonders genau untersucht.
    Also kann bereits das Umarmen und das genaue Erfühlen eines Baumes positiven Einfluss haben. Im Wald gibt es jedoch unzählige Dinge die Du berühren und erfahren kannst. Das weiche Moos, die zarten jungen Blätter oder auch die feuchte und kühlende Wald Erde. Kräuter, Pilze und Früchte können achtsam erfühlt werden. Spüre nicht nur mit Deinen Händen. Du kannst z.B. auch Barfuß durch ein Feld aus Moos im Wald laufen. Selbst mit dünnen Schuhsohlen kannst Du den Untergrund im Wald erfühlen, feste Wurzeln, kleine Steine oder nachgebenden weichen Boden.

Was ist mit „Über die fünf Sinne hinaus“ gemeint?

Die Achtsamkeit mit Deinen fünf Sinne verbunden und die wunderschöne Umgebung des Waldes, haben etliche Vorteile für Deinen Körper und vor allem Deine Psyche. Wenn Du eine Stufe draufsetzen willst, dann kann ich Dir den Beitrag zum „Waldbaden“ empfehlen. Das was man über die fünf Sinne hinaus erleben kann, das kann man schwer bis gar nicht in Worte fassen. Dies wird auch jeder der schon länger meditiert oder ähnliche Übungen praktiziert und dabei solche Erfahrungen hatte bestätigen können.



Fazit:

Ich versuche bei jedem Waldspaziergang so achtsam wie möglich zu sein. Insbesondere das Sammeln von Pilzen und Wildkräutern löst bei mir am häufigsten solche sogenannten “Flow“ Erlebnisse aus. Ich bin dann wirklich ausschließlich im „Hier und Jetzt“. Es geht nur noch um die aktuelle Situation, das aktuelle empfinden und die Sammeltätigkeit. Mitten in der Natur fühlt man sich angekommen, es fühlt sich echt und richtig an. Je länger man in der Natur verweilt und je achtsamer man dabei ist, desto ausgeprägter sind die positiven Effekte auf Körper, Geist und Seele. Zudem steigt mit der Aufenthaltsdauer und der Regelmäßigkeit in vielen Situationen die Rückkehr der natürlichen Achtsamkeit. Auch wirken sich solche Aufenthalte, wenn sie regelmäßig, am besten täglich durchgeführt werden äußerst positiv auf den Schlaf und die Traumwelt aus. Deshalb kann man die achtsamen Waldspaziergänge auch gut gegen Schlafstörungen nutzen.

Persönliche Empfehlung auf dieser Webseite:
Gerne kannst Du auch an meinem ausführlichen Burnout Test teilnehmen, selbstverständlich ist dieser kostenlos und ohne Angabe Deines Namens oder Deiner E-Mail Adresse nutzbar.

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Über Marco Eitelmann 11 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

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