Angst vor der Psychiatrie? – Warum eine freiwillige Einweisung gut gegen Burnout und Depressionen sein kann

Ich war selbst knapp über 9 Wochen stationär in einer Psychiatrie mit Schwerpunkt Hypnose und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht (Siehe Link im Beitrag). Auch ich hatte zunächst große Angst davor, doch letztendlich war es eine der wichtigsten Maßnahmen um wieder gesund zu werden und letztendlich sogar noch mehr als das...
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Vor der Einweisung in eine Psychiatrie, auch wenn diese freiwillig sein sollte, haben sehr viele Menschen große Angst oder zumindest eine gewisse Skepsis. Schnell trete Fragen auf wie: „Was wird dort mit mir gemacht?“ oder „Muss ich zwangsweiße Medikamente schlucken?“. Annahmen wie: „Ist man jetzt etwa „verrückt“ geworden? werden vorher ebenfalls nicht selten getroffen.
Auch ich dachte zu Beginn meines Burnouts nur sehr entfernt an diesen Schritt. Ich hatte sehr viele Fragen und vor allem Angst das erste Mal in meinem Leben in eine Psychiatrie zu gehen. Trotzdem nahm ich mir fest vor mich dort anzumelden, wenn es schlimmer werden sollte. Ich versprach es mir und auch meiner Familie.
Nach meinem ersten Zusammenbruch, kamen verbunden mit immer mehr psychosomatischen und vor allem psychischen Symptomen weitere Zusammenbrüche. Es folgten bald tiefe Depressionen, etliche Angstzustände und Panikattacken. Wenige Monate nach dem Ausbruch meines Burnouts entschied ich mich also freiwillig in eine Psychiatrie zu gehen und mich von meinem damaligen Arzt per Überweisung dorthin stationär aufnehmen zu lassen. Ich hatte große Angst vor der Klinik und der Behandlung sowie eine nie dagewesene Ungewissheit, wie es nun alles weitergehen soll.
Für Menschen die ebenfalls Angst und Ungewissheit haben und in einer gleichen oder ähnlichen Situation sind, haben ich den folgen Beitrag geschrieben. Der Aufenthalt in der Psychiatrie war für mich schließlich eine der besten Maßnahmen gegen die damaligen schweren psychischen und psychosomatischen Probleme und mit der erfolgreiche Start für den langen Weg aus dem Burnout.



Die Angst vor dem Aufenthalt in der Psychiatrie

Wenn es einem schon sehr schlecht geht und man gegebenenfalls auch starke Depressionen, Angstzustände, Panikattacken oder sogar schon die „Angst vor der Angst“ hat, dann fällt die Entscheidung für einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik um einiges schwerer, als sie es ohnehin schon ist.
Zunächst möchte ich aber einiges klarstellen, was viele Menschen negativ mit einer Psychiatrie verbinden und was zusätzliche Angst davor schürt:

  1. Du kannst Dich völlig frei für eine entsprechende psychiatrische Klinik entscheiden und diese sorgsam und in Ruhe auswählen. Du musst nicht in eine Psychiatrie mit schlechtem Ruf oder einem Behandlungskonzept gehen, welches nicht zu Deinen psychischen Erkrankungen passt.
  2. Du wirst in einer offenen Psychiatrie nicht zwanghaft festgehalten. Du kannst den Aufenthalt vorzeitig beenden, wenn das Therapiekonzept oder die sonstige Behandlung für Dich wirklich nicht passen sollte.
  3. Du wirst auch nicht „zwangsmedikamentiert“ in einer offenen Psychiatrie und kannst auch Medikamente ablehnen.
  4. Keiner bindet Dich in der offenen Klinik am Bett fest, setzt Dich in eine Zwangsjacke oder treibt ähnliche Sachen mit Dir, außer Du würdest z.B. gewalttätig oder ähnliches werden. Dann wäre eine Einweisung in die geschlossene Abteilung bzw. eine andere geschlossene Klinik oder weitere Maßnahmen möglich, was aber eine logische Konsequenz aus Deinem Handeln wäre.
  5. Du kannst Dir auch Klinken aussuchen, welche überhaupt keine geschlossene Abteilung haben und die sehr freundlich, großzügig und erholsam eingerichtet sind. Einige Kliniken liegen mitten in der Natur und haben ein wunderbares Gesamtkonzept. Ich war selbst in so einer Klinik, dazu später mehr.
  6. In einer Psychiatrie kannst Du allein bestimmen wie weit Du Dich den Therapeuten öffnest. Du bestimmst das Tempo, nicht der Therapeut. Natürlich macht es für den Heilungsprozess Sinn so offen und vor allem ehrlich zu sein wie möglich.
  7. In einer guten Psychiatrie ist 24 Stunden jemand für Dich da, wenn es Dir z.B. besonders schlecht gehen sollte, Du große Ängste hast, tief depressiv bist oder einfach Fragen zur Klinik und der Behandlung hast.
  8. Es gibt gemischte Kliniken, die schwerste psychische Krankheiten, Drogenabhängige und auch Burnout Fälle, Angsterkrankungen usw. gleichzeitig behandeln. Nach meiner persönlichen Meinung würde ich unbedingt eine getrennte Klinik von diesen schweren Fällen wählen. Du kannst dies aber mit Deiner Klinikwahl selbst beeinflussen. Suchtkranke mit Drogen wie Alkohol oder härteren Stoffen oder Menschen mit einem gerade durchgeführten Selbstmordversuch, wurden z.B. in der Klinik in der ich war nicht aufgenommen. Dies ist jedoch absolut unterschiedlich und individuell von der jeweiligen Klinik und deren Konzept abhängig.

Der Unterschied zur „geschlossenen“ Psychiatrie bzw. geschlossenen Abteilung im Vergleich zu offenen Klinikumgebung:

Eine Zwangsmedikamentierung, Fixierung, Zwangsbehandlung und sonstige Dinge können in einer geschlossenen Anstalt tatsächlich bei bestimmten Verhaltensweisen und sehr schweren psychischen Krankheiten vorkommen. Die Betonung liegt hier ganz klar auf „Können“. Diese Art von Psychiatrie ist aber weder Dein Ziel noch Dein Anlaufpunkt, wenn Du ein Burnout, Depressionen (insbesondere ohne aktiven Suizidversuch) oder Angststörungen sowie ähnliche gut behandelbare psychische und psychosomatische Symptome hast.
Bei einer akuten Selbstgefährdung oder der Gefährdung anderer Mitmenschen hingegen, kann eine Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie tatsächlich auch gegen den Willen des Betroffenen angeordnet werden. Es muss eine nachweisbare sogenannte „Gefährdung als Voraussetzung“ für die Aufnahme in eine geschlossene Klinik oder Abteilung der Psychiatrie vorliegen. Selbst das heißt dann aber nicht, dass derartige Behandlungswege und Maßnahmen mit diesem Patienten umgesetzt werden müssen.

Suche Dir zunächst eine gute Psychiatrie aus und informiere Dich ausführlich über diese!

Es ist äußerst wichtig, dass Du Dich vor Deiner Therapie und Anmeldung ganz genau über die Klinik informierst in die Du gehen möchtest. Es gibt sehr schlechte Psychiatrien, das muss man auch wirklich unbedingt erwähnen! Es gibt leider nicht wenige dieser Einrichtungen, die keine guten und passenden Behandlungsmöglichkeiten anbieten oder viel zu wenige Gespräche mit den Patienten führen. Auch gibt es Klinken die hauptsächlich auf die medikamentöse Behandlung setzen, vielleicht dabei ein bisschen „Muskelentspannung“ anbieten und bestenfalls noch 2-3 Gespräche in der Woche durchführen. Diese Klinken haben vor allem im Netz meist entsprechend negative Bewertungen. Schau Dir ruhig mal ein paar Stunden die Klinikbewertungen bei google und in den entsprechenden Portalen an. Suche Dir die fünf besten Kliniken, welche Dir ebenfalls sympathisch und passend erscheinen heraus und informiere Dich dann genau auf den entsprechenden Webseiten der Psychiatrien über deren Angebot.
Es ist übrigens unmöglich eine Klinik zu finden, bei der absolut alle Patienten zufrieden waren. Man sollte sich auf die entsprechenden Behandlungskonzepte auch einlassen können. Dabei muss man selbst sehr viel tun und an sich und seinem Verhalten nachhaltig arbeiten um wieder gesund zu werden. Wenn man das nicht wirklich will und umsetzt, dann kann einem kein Therapeut langfristig helfen.

Ich habe es mit der Klinikauswahl damals genauso gemacht und bekam zusätzlich von einem guten Freund eine Klinikempfehlung, die mir sehr zusagte. Ich begab mich mit meinem Burnout, den Depressionen, Angst und Panikattacken sowie etlichen psychosomatischen Symptomen in eine offene Psychiatrie mit Schwerpunkt Hypnose. Ich war von Januar 2016 bis Anfang März 2016 für über 9 Wochen in der Felsenland Klinik in Dahn und kann den dortigen Aufenthalt als sehr positiv für meine Genesung und vor allem auch für mein jetziges Leben beurteilen. Es war auf jeden Fall für mich die richtige Entscheidung dort hin zu gehe. Das Therapiekonzept war aus meiner Sicht ganzheitlich, umfangreich und nachhaltig effektiv. Vorausgesetzt ist auch in diesem Fall natürlich, dass man täglich aus Überzeugung mitarbeitet und ehrlich zu sich selbst und den Therapeuten ist. Auch hier kann keiner der Therapeuten wirklich helfen, wenn man nicht mitmacht, dahintersteht und vor allem zur Veränderung bereit ist.

Argumente für einen Aufenthalt in der Psychiatrie – Warum Du mit einem Burnout in eine gute Klink gehen solltest?

Man hört immer wieder Sprüche wie: „Wegen einem Burnout muss ich doch nicht in die Psychiatrie“ oder „Ich muss nicht in die Klapse, ich bin doch nicht verrückt!“. Das ist natürlich Unsinn, ein Burnout ist eine sehr ernstzunehmende psychische Erkrankung! Auch alle damit zusammenhängenden Symptome und vor allem die oft einhergehende Depression sind definitiv therapiebedürftig!
Es ist keine Schande in eine Psychiatrie zu gehen. Mir ist vor allem nach längerem Aufenthalt dort aufgefallen, wie viele Menschen außerhalb der Psychiatrie im Grunde dringend in eine derartige Klinik sollten. Nicht nur zu ihrem eigen Wohl, sondern auch zum Gemeinwohl. In unserer Gesellschaft musst man einen psychisch vollkommen gesunden Menschen schon gezielt suchen, denn sie stellen leider nicht die Mehrheit dar.

Ein Aufenthalt in einer Psychiatrie mit entsprechend passendem Behandlungskonzept, kann Dir vor allem bei folgenden Dingen helfen:

  • Du lernst real andere Betroffene kennen und kannst Dich mit ihnen austauschen, das klingt zunächst banal, hilft aber ungemein, da diese Menschen aus erster Hand und somit aus eigenen Erfahrungen sprechen. Du weißt damit auch, dass es nicht nur Dir psychisch so geht oder gegangen ist, sondern auch anderen Personen.
  • Du bist in einem geschützten Rahmen untergebracht und kannst fernab von Freunden, Umfeld, Familie und Arbeit sowie anderen Ablenkungen Deine Probleme ganz für Dich allein und mit Unterstützung der Therapeuten bearbeiten. In der Klinik in der ich war, gab es z.B. für die ersten vier Wochen eine vollständige Kontaktsperre, was auch wirklich äußerst hilfreich war!
  • Du kannst in einer guten Fachklinik vielerlei Hilfsmöglichkeiten, Übungen und Verhaltensweisen sowie individuelle Hilfsmittel nutzen. Du solltest sie Dir aneignen und für die Zeit nach der Klinik weiterführen. Diese können Dich nachhaltig bei der Heilung unterstützen. Wichtig ist natürlich, dass man nach dem Klinikaufenthalt mit diesen Dingen weitermacht oder sie im besten Fall sogar noch ausbaut!
  • In einer Psychiatrie hast Du einen geregelten Tagesablauf und nächtliche Ruhezeiten, das haben etliche Menschen heutzutage nicht mehr.
  • Ein stationärer Aufenthalt in einer Psychiatrie ermöglichst es Dir für eine längere Zeitspanne komplett aus Deinem alten Umfeld auszusteigen und Abstand zu gewinnen sowie alles neu zu beurteilen und zu bewerten. Sehr oft ändert sich Vieles in Deinem Leben nach einem solchen Aufenthalt zum Positiven. Du musst es allerdings wollen und bereit dafür sein.
  • Bist Du offen für eine ausführliche Therapie und nimmst Dir viel Gutes dabei mit, dann wird der Aufenthalt nicht nur Dein Allgemeinbefinden verbessern, sondern für Dein ganzes Leben eine große Bereicherung sein. Ein Aufenthalt in einer solchen Klinik kann einen enorm positiven Einfluss auf Deine weitere mentale und körperliche Entwicklung haben und Dich im Leben deutlich weiterbringen!
  • Eine Klinik kann unter Kontrolle auch dafür sorgen Medikamente abzusetzen oder zumindest zu reduzieren. Selbst ein Austausch gegen nebenwirkungsärmere Stoffe ist schon ein Fortschritt. Leider werden recht häufig vorschnell und zum Teil sogar unnötig Psychopharmaka verschrieben. Meine erste Anlaufstelle war damals eine Ärztin (Fachbereich Psychiatrie und Neurologie). Sie verschrieb mir bei meinem Erstbesuch in ihrer Praxis Antidepressiva und ein Schlafmittel und das nach nicht einmal 10 Minuten Gespräch! Genommen habe ich beide Medikamente nicht.


Fazit:

Die knapp über 9 Wochen in der Felsenlandklinik in Dahn gehörten für mich zu den intensivsten, erholsamsten und gleichzeitig auch anstrengendsten Wochen meines bisherigen Lebens. Ich hatte extreme Ängste, viel geweint, aber auch viel gelacht. Ich hatte sehr viel geredet und in den Therapien unfassbar viel über mich selbst erfahren. Ich habe vor allem endlich von vielen Dingen loslassen können.
In der zweiten Hälfte der Therapie gab es dann die ersten spürbaren Erfolge, einige psychosomatische Symptome reduzierten sich deutlich. Vor allem bekam ich wieder einen Teil meiner Kraft und Motivation zurück. Ich zog das komplette Therapieprogramm lückenlos durch, von morgens 6:50 Uhr bis abends (einmal in der Woche sogar bis 21 Uhr).
Von dem anfänglichen „Ich muss zu allen Sitzungen und Behandlungen“ wurde ein „Ich freue mich darauf, habe aber auch Respekt davor“. In den Hypnosen und bei den Gesprächen, nicht nur mit den Therapeuten kam so einiges Hoch, auch Dinge die man in seinem unachtsamen Tagesablauf gar nicht mehr bewusst auf dem Schirm hatte. Es geht alles sehr tief, auch bis weit in die Kindheit zurück. Es ist kein Erholungsurlaub, sondern wirklich harte, aber auch äußerst lohnenswerte Arbeit an sich selbst. Ich hatte vor allem zu Beginn viel geweint, auch oft vor anderen Menschen und Gruppen, aber im Gegensatz zu außerhalb der Klinik wurde damit durchgehend menschlich umgegangen. Es ist dort die Normalität im Umgang mit solche Zustände und Situationen und sehr hilfreich bei der Heilung, es muss sich auch keiner schämen dafür, im Gegenteil. Loslassen und Rauslassen ist ein großer Fortschritt in die richtige Richtung.

Persönliche Empfehlung auf dieser Webseite:
Gerne kannst Du auch an meinem ausführlichen Burnout Test teilnehmen, selbstverständlich ist dieser kostenlos und ohne Angabe Deines Namens oder Deiner E-Mail Adresse nutzbar.

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Über Marco Eitelmann 31 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

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