Angstzustände durch Stress und Dauerüberlastung – Wie ein Burnout die Angst erzeugen und verstärken kann

Die Angst vor der Nacht hatte mich über viele Wochen während meines Burnouts begleitet. Doch es war nicht die Nacht an sich die mir Angst machte...
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Die Angst an sich ist nichts Negatives, sie ist überlebenswichtig und schützt uns vor wirklich bedrohlichen Situationen und unnötig gefährlichen Handlungen sowie Verhaltensweisen. Zum Problem wird die Angst erst dann, wenn sie ein ständiger präsenter Begleiter ist und vor allem wenn sie völlig irrational wird und sich an grundsätzlich ungefährlichen Dingen oder nicht ansatzweise lebensbedrohlichen Situationen immer weiter hochschaukelt.

Letztendlich kann alles Angst machen, wenn wir es zulassen oder aufgrund unserer Gedanken und Erfahrungen dafür zugänglich sind. Gerade häufiger negativer Stress, Dauerüberlastung, Traumata, Depressionen und insbesondere auch ein Burnout sind ideale Nährböden für Angsterkrankungen und einhergehende Angstzustände sowie damit verbundene psychische und psychosomatische Reaktionen. Man ist diesen Angstsymptomen jedoch nicht hilflos ausgesetzt und kann aktiv etwas dagegen unternehmen wieder psychisch stabiler und gesund zu werden.

In diesem Beitrag möchte ich Euch von meinen damaligen Angstzuständen während meines Burnouts berichten, die zu regelrechten stundenlangen Angstgefühlen, bis hin zu letztendlich auch Panikattacken führten.


Die Angst durch Stress, Überlastung und Burnout – Eigene Erfahrungen sowie körperliche und psychische Gründe die zu Angstsymptomen führen können

Nach etlichen Jahren Stress, Dauerüberlastung und fehlendem Ausgleich (siehe Kurzgeschichte zu mir) merkte ich wie ich immer ängstlicher wurde und sich Existenzängste vor allem mit zusätzlichen Ängsten vor Krankheiten durch meine damals immer stärker werdenden und immer neuen psychosomatischen Symptome aufbauten.

Auf rein körperlicher Ebene kann man diesen Zustand relativ einfach erklären. Der Organismus produziert immer mehr und auch gerade in völlig unbedrohlichen Situationen Stresshormone und wird damit regelrecht überflutet. Der Körper ist so unter Dauerstress und Anspannung, dass nicht nur bei echten Bedrohungen massenweiße Adrenalin, Cortisol und andere Botenstoffe ausgeschüttet werden, sondern auch in kleinsten Stresssituationen und im Grunde unbedeutenden Ereignissen diese Ausschüttung gleichermaßen stattfindet.

Der Gehalt dieser Stoffe im Körper ist praktisch permanent zu hoch ist. Ein derart überlasteter Mensch neigt zu Angstzuständen, der Kopf schaltet nicht mehr ab und man befindet sich selbst bei Alltagssituationen oder im schlimmsten Fall sogar in Ruhephasen im Alarmzustand. Letztes war auch bei mir der Fall. Bereits beim Duschen bekam ich Ängste vor dem zu Bett gehen sowie direkt starke Schweißausbrüche. Ich zitterte mich regelrecht mit vielen schlimmen Gedanken und mit klatsch nassem Körper in den Schlaf und steigerte mich unfassbar in diese negative und bedrohliche Gedankenwelt hinein. Es entstand irgendwann sogar die sogenannte „Angst vor der Angst“. Das Nervensystem des Körpers läuft bei dieser Überflutung mit Stresshormonen und Botenstoffen sowie permanenten Gedankenkarussell und dadurch fehlender Entspannung ständig am Limit.

Das sympathische Nervensystem ist dabei nahezu durchgehen mehr oder weniger stark aktiv, der Parasympathikus des vegetativen Nervensystems kommt hingegen kaum oder gar nicht mehr zu Wort. Das parasympathische Nervensystem ist für die Erholung und die Ausgeglichenheit und Ruhe aber unersetzlich. Der Hormonhaushalt in dieser Situation ist zudem bei den betroffenen Personen oft stark gestört.

Psychische Gründe für Angstzustände

Natürlich könnte man nun sagen der Körper sei allein schuld, er schüttet Hormone aus, der Körper spinnt und man ist krank. Das stimmt so aber nicht, zwar schüttet der Körper selbstverständlich diese Hormone aus, doch er reagiert auf die Überlastungen, den ständigen Stress oder andere psychisch negative Einflüsse auf Dauer lediglich ganz normal und auch entsprechend mit einer logischen und gesunden Reaktion. Stell Dir vor Du hättest keine Bremse oder ein Warnsystem für die ständigen Einflüsse die Dir nicht guttun? Das wäre dann sicher nicht gesund… Der Körper teilt sich mit und das ist auch gut so!

Wurdest Du früher noch in der Wildnis von einem Raubtier verfolgt, dann waren das Cortisol und das Adrenalin überlebenswichtig. Du konntest Dich damals in kürzester Zeit für Kampf oder Flucht entscheiden. Dazu brauchst Du diese Aufputschhormone unbedingt, sie machen Dich schneller, leistungsfähiger und schärfen die Sinne sofort bei ihrer Ausschüttung in wenigen Sekundenbruchteilen.

Den mobbenden Kollegen, einen cholerischen Chef oder eine menschenverachtende Firmenpolitik und Arbeitsumgebung, wirst Du aber mit Kampf oder Flucht nicht so einfach schnell wieder los. Was dann folgt, ist ein Dauerkampf, der immer wieder neue Hormone im Körper produziert und deren ordentlicher Abbau aufgrund der ständigen Auseinandersetzung mit einer solchen Situation verhindert wird.

Dein Körper wird praktisch dauergeflutet mit diesen Botenstoffen, obwohl keine real lebensbedrohliche oder eine tatsächlich extrem gefährliche Situation vorliegt. Es ist also wichtig Deine Psyche in den Blick zu nehmen, Situationen und Zustände zu analysieren, nichts zu verdrängen und vor allem an Dir selbst positiv zu arbeiten.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, warum es aufgrund von äußeren oder inneren Einflüssen zu Angsterkrankungen kommen kann. Bei den individuellen Angstsymptome der Betroffenen, kann es sich z.B. um eine ganz spezifische Form der Angst handeln oder aber auch zu latenten oder akuten Angstzuständen im Allgemeinen kommen. Häufig kann eine Angsterkrankung von folgenden Quellen getragen werden oder auch primär von diesen mit verursacht worden sein.

  • Dauerüberlastung
  • Häufiger negativer Stress
  • Traumatische Erlebnisse (können auch in der Kindheit entstanden sein)
  • Verdrängte Themen
  • Mobbing
  • Staffing (umgedrehtes Mobbing bei Führungskräften von den Mitarbeitern ausgehend)
  • Negative Glaubenssätze
  • Die Erziehung
  • Durch andere Sozialisationsinstanzen
  • Schlechte und zerstörerische Beziehungsverhältnisse (Partner, Eltern, Freunde)

Eigene Erfahrungen und Gründe für meine damaligen Angstzustände

Wer in seinem Leben nicht schon einmal persönlich richtige Angstzustände durchgemacht hat, der weiß kaum von was genau gesprochen wird, wenn ein solches Thema anklingt oder kann es sich vielleicht auch gar nicht vorstellen, wie sich Angstzustände überhaupt anfühlen mögen. Vielleicht wird auch die Frage gestellt, wie diese Ängste überhaupt möglich sein sollen. „Es gibt doch gar keinen Grund Angst zu haben“

Viele Menschen haben diese angstbelasteten Zustände, verdrängen sie jedoch, verheimlichen sie, weil es ihnen peinlich ist oder leben irgendwie langfristig damit. Sehr viele der Betroffenen nehmen Medikamente gegen ihre Angstzustände und damit auch oft einhergehenden Schlafstörungen mit teils schlimmen Nebenwirkungen. In Deutschland sind Millionen Menschen von Angsterkrankungen betroffen. Noch mehr Menschen waren es zumindest schon einmal in ihrem Leben. Weltweit sind Angstzustände und die entsprechenden Symptome diesbezüglich auf dem Vormarsch. In unzähligen Fällen wird dann leider schnell mit Psychopharmaka reagiert. Ich sollte auch innerhalb kürzester Zeit eins verschrieben bekommen. Ein „Angstlöser“ bzw. Hemmer…. Als ob das die Ursache der Angstzustände bearbeitet oder löst?

Ich hatte auch sehr starke Ängste. Angst vor dem Verlust von Haus, Geld und grundlegendem Lebensstandard. Eine wirklich massive Existenzangst, da ich merkte das mit mir etwas wirklich nicht mehr psychisch in Ordnung war und ich einfach nicht mehr konnte. Durch die ganzen nach und nach hinzukommenden psychosomatischen Symptome, wie z.B. ein sehr starkes Kloßgefühl im Hals, Herzrhythmusstörungen, Fremdgefühle im Gesicht, taube Glieder und Schlafstörungen sowie viele weitere Folgen durch den anhaltenden Burnout Zustand, machte ich mir damals natürlich zusätzlich sorgen.

Ich steigerte mich vor allem zu Beginn des Burnouts in den ersten Monaten extrem in alles hinein was mein Körper mir als Symptome gab. Mir wurde letztendlich in der Psychiatrie sogar eine kurzphasige Hypochondrie diagnostiziert. Dieses hypochondrische Verhalten hatte ich auch definitiv.

Alles steigerste sich so weit, dass ich Angst vor etlichen möglichen Krankheiten bekam, Angst vor dem Abend, dauernd Schweißausbrüche, Angst vor dem nicht schlafen können und letztendlich sogar Angst vor der Angst selbst. Mir kreiste am Ende nur noch ein Gemisch aus blanken Existenzängsten, Krankheiten und den Gedanken ob ich nächstes Jahr noch lebe durch den Kopf.

Am Ende führte es zu schweren Panikzuständen und zu einem stundenlangen Zittern, vor allem in den Beinen abends im Bett. An Ruhe war nicht mehr zu denken. Ich dachte manchmal nur noch „Schaltet mich bitte für ein paar Tage einfach ab, ich will einfach nur noch Ruhe und mich erholen können“ Einfach nur endlich lange durchschlafen können…

Medikamente gegen Angstzustände?

Irgendwann waren die Zustände so schlimm, dass ich mich fast für Antidepressiva und Beruhigungsmittel entschieden hätte. Die erste Ärztin bei der ich war, eine Neurologin mit Fachbereich Psychiatrie bot mir die Medikamente bereits nach wenigen Minuten Gespräch an. Mein Zustand kommt häufig vor, ich wäre halt schwer depressiv. „Da kann man was machen mit Medikamenten…“

Meine nächtlichen Schlafenzeiten betrugen nur noch zwischen 1-3 Stunden in einem sehr unruhigen Schlafzustand, meist eher Halbschlaf. Mein T-Shirt war danach immer klatschnass, meine Glieder Taub und mein Herz mit Aussetzern und Extraschlägen am Rotieren. Ich entschied mich letztendlich gegen alle Psychopharmaka, auch wenn mir die Neurologin nahelegte unbedingt Medikamente zu nehmen.

Ich spreche hier aus eigenen Erfahrungen und über meine persönlichen Ansichten. Euer Arzt, aber vor allem Ihr selbst müsst entscheiden was für Euch in einem solchen Fall richtig ist. Ich gebe hier keine Empfehlung diesbezüglich ab, ich hatte meine eigenen Maßnahmen gegen die Angstzustände gewählt. Da waren derartige Medikamente für mich definitiv keine Option!

In der Psychiatrie gaben mir die Erfahrungen der anderen Patienten die verschiedenen Präparate in einem solchen Zusammenhang eingenommen hatten größtenteils ebenfalls eine Bestätigung meiner Meinung. Von etlichen, teils sehr üblen Nebenwirkungen bis hin zur Abhängigkeit von Schlaf- und Beruhigungsmittel war so ziemlich alles dabei. Hat es deren Probleme und vor allem die Ursachen der Angstzustände gelöst? – Aus meiner Sicht definitiv Nein. Es werden meist nur die Symptome gemindert oder bestenfalls ganz unterdrückt.

Die einzigen Dinge, die ich in dieser Zeit als unterstützende und hilfreiche Möglichkeiten zu mir genommen habe, waren beruhigend wirkende und sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel ohne Zusatzstoffe sowie auf Baldrian und anderen Naturheilmittel basierende Präparate.



Persönliches Fazit:

Angstzustände sind völlig normale körperliche Reaktionen auf bedrohliche Situationen oder vergangene sowie aktuelle Ereignisse, die noch nicht vollständig verarbeitet wurden. Stärkere Ängste können sehr sinnvoll sein, für die situativ wichtige Ausschüttung von Stresshormonen, jedoch nur in echten Notfallsituationen z.B. bei einem erheblichen Risiko für Leib und Leben. Die Angstzustände die darüber hinausgehen werden unbewusst und zum Teil auch bewusst durch unsere Gedanken gesteuert und erzeugt.

Die hormonellen Reaktionen des Körpers sind aus meiner Sicht nur die Reaktionen auf diese negativen Gedanken. Natürlich sind hier stoffliche Abhängigkeiten oder Drogenmissbrauch sowie körperliche Krankheiten ausgeklammert. Die meisten Ängste kommen aber definitiv von unseren Gedankenmustern und unseren Umgang damit. Selbst mein damaliges Reizdarmsyndrom, dass ich mehr als 15 Jahre hatte und das sich unter Stress und der Abwesenheit einer Toilette massiv verstärkte, ging nach meiner nachhaltigen Lebensumstellung vollständig weg. Man kann aktiv etwas gegen die Angstzustände tun und sie ergründen, sowie gezielt Maßnahmen ergreifen um sie zu mildern oder ganz zu beseitigen.

Persönliche Empfehlung auf dieser Webseite:
Gerne kannst Du auch an meinem ausführlichen Burnout Test teilnehmen, selbstverständlich ist dieser kostenlos und ohne Angabe Deines Namens oder Deiner E-Mail Adresse nutzbar.

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Über Marco Eitelmann 32 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

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