Die Angst vor der Angst – Wenn Angstzustände eskalieren

Was dieses Foto bei dem einen Menschen Freude über die Schönheit der Blume und der Bienen auslöst, kann bei anderen Menschen Angst auslösen. Ein Foto kann bereits reichen um eine Gedankenkette in Gang zu bringen und Angstsymptome zu erzeugen, obwohl aktuell überhaupt keine Gefahr besteht.
Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, freue ich mich wenn Du ihn teilst...

Ich habe bereits einen Beitrag mit meinen persönlichen Erfahrungen zum Thema Burnout und Angstzustände geschrieben. Hier möchte ich jedoch auf eine ganz spezielle Art der Angst wesentlich genauer eingehen, der sogenannten „Angst vor der Angst“. Einem Zustand bei einer bestehenden Angsterkrankung, die sich ein Außenstehender oder besser gesagt ein Mensch der noch nicht selbst davon betroffen war kaum vorstellen kann.

„Wie kann man denn bitte Angst vor der Angst haben?“ – diese oder eine ähnliche Fragestellung wird häufig gedacht aber nur selten wirklich gesagt oder gar den Betroffenen als ernstgemeinte Frage gestellt. Ab einem gewissen Punkt ist dieser Zustand aber bedauerlicherweise ganz schnell für fast jeden Menschen zu erreichen.


Warum gibt es die „Angst vor der Angst“ und wie kann diese entstehen?

Dieser extremen Form der Angsterkrankung gehen meist heftige Angstzustände oder mehrere kleinere Angstattacken über viele Monate hinweg voraus. Dabei können auch derart gesteigerte Ängste vorhanden sein, dass diese bis hin zu einer Panikattacke reichen.

Wird dieser Kreislauf nicht unterbrochen, dann führt es zu einer immer stärkeren Überschüttung des Körpers mit Stresshormonen. Das sympathische Nervensystem ist dauerhaft angespannt. Das parasympathische Nervensystem kommt kaum noch zum Zuge. Es eskaliert förmlich das Hormonsystem des Körpers mit der Ausschüttung immer neuer Massen an Stresshormonen und einem gleichzeitig fehlenden schnellen Abbau dieser Botenstoffe.

Da jeder Betroffene, der bereits starke Angstzustände oder auch Panikattacken kennt weiß, wie sich diese anfühlen, entsteht so die akute oder auch chronische Angst für diesen Zuständen. Die Angst vor der Angst ist da und sie macht eines…. noch mehr Angst!

Ein Kreislauf den man jedoch mit entsprechenden Maßnahmen unterbrechen kann und der auch in den überwiegenden Fällen heilbar ist. Doch dazu braucht es zunächst eine Unterbrechung der negativen Spirale und dann sehr viel Zeit um alles zu ergründen und aufzuarbeiten was zu diesen Ängsten geführt hat. Dazu kann auch ein Aufenthalt in einer guten Psychiatrie hilfreich sein. Man nennt die Angst vor der Angst häufig auch die sogenannte „Erwartungsangst“, welche sich sehr leicht nach den folgenden Beispielen nachvollziehen lässt.

Wie entsteht dieser „Angst vor der Angst“ Zustand? – Ein konkretes Beispiel sowie weitere Möglichkeiten.

Für den Zustand braucht es erstmal eine grundlegende Angst, die latent oder situativ immer wieder vorhanden ist und starke negative körperliche sowie psychische Effekte aufweist. Diese Symptome können z.B. sein: panische Zustände, Herzrasen mit Rhythmusstörungen, extreme Schweißausbrüche, Durchfall, Magenkrämpfe, Kloß im Hals Gefühl oder Schwindel. Bevor ich aber zu einem konkreten Beispiel zur möglichen Entstehung des „Angsthaben vor der Angst“ komme, hier ein paar weitere mögliche Auslöser:

  • Durch Ängste erzeugte psychische- und körperliche Leiden und die Angst sie durch die Angst wieder zu bekommen
  • Schmerzhafte Ereignisse und die Angst davor sie wieder zu erleben
  • Peinliche Erlebnisse und die Angst, dass sich diese wiederholen könnten
  • Angst davor etwas zu bekommen wie z.B. Durchfall bei Reizdarmsyndrom ohne das eine Toilette vorhanden ist
  • Angst vor der Angst, weil grundlegend Ängste und das Gefühl diese unbedingt loswerden zu müssen bestehen. Die Gedanken fokussieren sich so auf die Angstzustände

Es folgt ein einfacher aber nachvollziehbarer Beispielablauf zur Entstehung dieses „Angst vor der Angst Zustandes“

Du arbeitest in einem Betrieb mit negativem Betriebsklima, hohem Dauerstress und hasst es zu Deinem Arbeitsplatz zu kommen. Dein Chef ist ein Choleriker und Du gehst mit Bauchschmerzen und Ängsten weiterhin zur Arbeit, weil Du Angst um Deine finanzielle Existenz hast und Dich in einer so entstehenden Abhängigkeit befindest. Jedes Mal, wenn Du zur Arbeit fährst geht es Dir nicht gut, Dein Kopf rattert und malt sich teils die schlimmsten Dinge aus die wieder passieren könnten. Oft ist Deine Arbeit eine Qual und Du erlebst real körperliche Symptome, Emotionen, Schmerzen und Ängste.


Jetzt geht dieser Zustand über einen mehr oder weniger langen Zeitraum, einige Menschen leiden so über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Die Angst und die Reaktionen darauf sind nun fest in Deinem Körper und Unterbewusstsein verankert. Du weißt nur zu gut wie elendig sich das nächste Anschreien durch den Chef, die nächste Ungerechtigkeit oder der nächste Arbeitstag anfühlen.

Jetzt tritt vielleicht zum ersten Mal die Angst vor der Angst ein. Du bist im Urlaub, hast keinen konkreten physischen Auslöser und denkst nur kurz an die Arbeit, das kann auch unbewusst passieren. In Deinem Körper gehen sofort die Alarmglocken los. Du weißt Du musst jetzt nicht auf die Arbeit. Du weißt aber ganz genau wie sich die Angst dazu anfühlt und wie schlimm die körperlichen Reaktionen darauf sind. Jetzt bekommst Du Angst davor Angst zu haben. Die Angst vor der Angst tritt nun in Erscheinung. Ein sehr unheilsamer Zustand, den viele Menschen leider unterworfen sind. Man kann aber aktiv dagegen vorgehen und verschiedene Maßnahmen ergreifen. Medikamente habe ich für mich diesbezüglich jedoch alle abgelehnt. Ich habe lediglich Nahrungsergänzungsmittel und Naturheilmittel wie z.B. Magnesium und Baldrian als Unterstützung genommen.

Zwei ganz persönliche Erfahrungen mit dem Thema „Angst vor der Angst“

Ich kann gleich zwei sehr reale Erfahrungen zu diesem Thema schildern. Eine Angst vor der Angst Begleiterscheinung hatte ich bereits vor meinem Burnout. Das zweite Thema diesbezüglich kam während des Burnouts.

Erstes Beispiel: Die Angst vor der Angst bei Reizdarmsyndrom

Zunächst einmal hatte ich fast 15 Jahre Angst davor zum Beispiel auf Reisen zur gehen, selbst einen Tagesauflug oder Konzertbesuch zu machen oder am Ende sogar einen simplen Spaziergang zu unternehmen. Auch ein Picknick war ein Problem oder irgendwo hin essen gehen. Ich hatte nicht Angst vor den Unternehmungen an sich. Ich hatte Angst aufgrund der Erfahrungen meines Reizdarmsyndroms, das ich früher hatte.

Meine Angst war es die Reizdarm-Symptome zu bekommen, während keine Toilette da war. Jeder der schoneimal ohne die Anwesenheit einer möglichst nahegelegenen und freien Toilette plötzlich Durchfall und Krämpfe bekommen hat weiß wie mies diese Situation ist und was das für Schmerzen und Schweißausbrüche sein können bis man endlich ein WC aufsuchen kann.

Wer an Reizdarm leidet oder gelitten hat kann das besonders gut nachvollziehen, denn es passiert dann wesentlich öfter, dass man z.B. nach einem Essen oder bei Stress dringend eine Toilette braucht. Nun bekam ich in diesem Fall irgendwann Angst davor eine Angst zu bekommen die wiederum Reizdarmsymptome wie Durchfall auslöst. Somit bekam ich noch stärkere Symptome und am Ende sogar nach wenigen Gedankengängen tatsächlich Durchfall. Ein Paradebeispiel für die Angst vor der Angst…

Zweites Beispiel: Die Angst vor der Angst nicht mehr schlafen zu können

Während meines Burnouts – vor allem in der Anfangsphase – war an Schlaf kaum noch zu denken. Die Schlafenszeit betrug zwischen 1-3 Stunden bei einem unruhigen Schlaf, mit meist sehr gravierenden Alpträumen. Das ging über viele Wochen so und war begleitet von Zittern, „Restless Legs Syndrom“ und einem extremen Kloßgefühl im Hals und immer wieder heftigem Aufstoßen mit Sodbrennen.

Ich bekam nach einige Zeit Angst davor diese Angst zu bekommen, so dass bereits nachmittags die Symptome anfingen. Ich bekam schon am frühen Abend während und nach dem Duschen sofort eine innerliche Unruhe, die sich immer weiter steigerte. Ich bekam bereits schon Angst nur vor dem Hinlegen zusammen mit sofortigem starkem Schwitzen. Irgendwann hatte ich Angst vor der Angst die mir in dieser Situation entgegen trat.

Fazit:

Der Beitrag wurde aus persönlicher Sicht geschrieben und mit meinen eigenen Erfahrungen geschildert. Auch mir hätten manche Textstellen dieses Artikels zu meinem Tiefpunkt auch wiederum neue Angst gemacht. Aber an dieser Stelle möchte ich den Betroffenen ganz klar Hoffnung machen!



Man kann wirklich aktiv dagegen vorgehen und den Zustand Stück für Stück verbessern. Es gibt etliche sinnvolle Maßnahmen, die auch abseits der gängigen und häufig stark nebenwirkungsreichen Medikamentengabe wirken können. Aus meiner persönlichen Sicht ist es sinnvoll an die Ursachen der Ängste zu gehen, sie nicht zu verdrängen oder mit irgendwelchen Mitteln zu unterdrücken. Ein Aufenthalt in seiner guten Psychiatrie kann auch ein Teil dieser Lösung sein. Ich war selbst in einer solchen Klinik und habe dazu einen eigenen Erfahrungsbericht geschrieben, da ich damals natürlich auch vor der Psychiatrie Angst hatte.

Persönliche Empfehlung auf dieser Webseite:
Gerne kannst Du auch an meinem ausführlichen Burnout Test teilnehmen, selbstverständlich ist dieser kostenlos und ohne Angabe Deines Namens oder Deiner E-Mail Adresse nutzbar.

Zum Thema weiterführende Informationen und zusätzliche interessante Beiträge:



Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, freue ich mich wenn Du ihn teilst...
Über Marco Eitelmann 33 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*