Die Heilungsdauer für einen Burnout – Wie lange dauert es bis ein Burnout und seine psychischen und körperlichen Symptome wieder verschwinden?

Wenn Du gesunde Bedienungen für Dich wählst und Du aktiv an Dir arbeitest, dann ist ein Burnout heilbar, die Dauer bis zur Heilung ist dabei irrelevant. Du kannst währenddessen und auch danach in Deiner Persönlichkeit und Deinem Bewusstsein enorm wachsen. Ein Burnout ist immer eine sehr gute Chance auf eine besseres und achtsameres Leben.
Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, freue ich mich wenn Du ihn teilst...

Ich werde sehr oft gefragt, wie lange denn so ein Burnout bis zu seiner vollständigen Heilung dauern kann. Die Antwort dazu ist im Grunde recht einfach: „So viel Zeit, wie Du selbst dazu benötigst.“ Die Frage an sich ist falsch gestellt, denn sie zeigt ein Dilemma, dass viele Betroffene zu Beginn oder auch Mitten in einem Burnout haben. Sie suchen im Internet nach der maximalen Dauer eines Burnouts, nach einer möglichst raschen Heilung, alles soll so schnell wie möglich gehen und so sein wie es vorher war bzw. wie man sich vorher gefühlt hat. Doch genau das ist absolut kein empfehlenswerter Weg für die Bearbeitung dieses Themas.

Zunächst einmal hat schließlich das was vor dem Ausbruch des Burnouts war überhaupt dazu geführt, dass es zum Burnout kam. Zum anderen macht es Druck und ist für den Heilungsprozess äußerst schädlich, wenn man sich ein Zeitlimit setzt oder direkte Vergleiche mit anderen Betroffenen zieht die bereits wieder gesund sind oder denen es zumindest besser geht.


Ein Burnout heilt nicht von heute auf morgen, es ist ja auch nicht innerhalb einer so kurzen Zeit entstanden. Der Heilungsprozess benötigt im günstigsten Fall einige Monate, meist jedoch ein bis zwei Jahre und teils sogar länger. Ich möchte in diesem Beitrag von meinen eigenen Erfahrungen diesbezüglich berichten.

Burnout – Wie schnell wird man wieder gesund? – Eine Chronologie meiner Heilung

Da man hier keine pauschale Aussage treffen kann und ich persönlich aus eigenen Erfahrungen sowie durch den Austausch mit Betroffenen einige Geschichten sammeln konnte, würde ich jedoch nicht unter sechs Monate für einen halbwegs akzeptablen Heilungsprozess veranschlagen. Das ist dann aber auch wirklich zeitlich die absolut unterste Grenze.

Ich möchte konkret zu meinem eigenen Prozess der Heilung einen kurzen stichpunktartigen Ablauf zusammenfassen der den langen Weg bis zur vollständigen Genesung verdeutlichen soll:


  • Juni 2016 – Konkreter Ausbruch meines damaligen Burnouts mit ersten Symptomen, die ich nicht mehr ignorieren konnte. An psychische Probleme war für mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Sodbrennen und ein Gefühl von einem Kloß im Hals traten zum ersten Mal auf.
  • Juli 2016 – Weiter gemacht wie bisher, nach kurzer Krankschreibung. Motto: „Ist ja alles nur körperlich“… Durchhalten.
  • Ende Juli 2016 – Erste Angstzustände, Panikattacken, Gefühl verrückt zu werden, alles nicht mehr zu schaffen, Sinnkrise, Dauergrübeln, Schlafstörungen. Das Ganze wurde durch die psychischen Nebenwirkungen eines Antibiotikums gegen Borreliose noch gefördert, da ich mir im Wald damals beim „zwanghaften Entspannen“ Zecken geholt hatte. Kurz wieder krankgeschrieben und weiter gemacht…
  • August 2016 – Alles ignoriert, nochmal eine leichte Aufwärtsphase erlebt, es sollte die letzte sein bis das Burnout vollständig ausbrach.
  • September 2016 – Völlig wie von der Welt geholt, fast gänzlich emotionslos gegenüber allem, gleichzeitig Angstzustände, Panikattacken, extreme Schlafstörungen und eine schwere Depression folgten. Unterlagen von Lebensversicherung als Panikreaktion besorgt, da ich nicht mehr wusste wie es weiter gehen soll…
  • Oktober 2016 – Ich war mir langsam bewusst das mit mir etwas ganz und gar nicht auf psychischer Ebene stimmt und ich dringend etwas tun muss! Ich fing an mir selbst in dieser Richtung über das Internet ständig neues Wissen anzueignen, machte den ersten Termin bei einer Neurologin und holte mir Unterlagen einer guten Psychiatrie, die mir ein ehemals betroffener Freund empfahl. Zudem fing ich trotz Angst und Panik an, mich für einen Tai-Chi/Qi Gong Verein einzutragen und dort aktiv einmal die Woche teilzunehmen. Das Programm bestand aus Meditation, Reden und natürlich Qi Gong. Der Besuch bei der Neurologin war eine Katastrophe, nach wenigen Minuten und einer Heulattacke meinerseits, weil ich einfach fertig war, diagnostizierte sie mir eine mittelschwere Depression, Reflux/Sodbrennen und Schlafstörungen. „Das sei häufig in meinem Alter durch die Überarbeitung“. Sie verschrieb mir ein Antidepressiva und wollte es direkt mit einem Schlafmittel und einem Protonenpumpenhemmer ergänzen. Ich war danach noch fertiger als vorher und ging. Ich wechselte direkt den Arzt und fand einen wesentlich besseren, der sich auch viel Zeit für mich nahm. Ich habe dann mehrfach Blutbilder vom neuen Arzt machen lassen. Ergebnis: Nährstoffvorräte teils kritisch, mit hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln durchgängig supplementiert, Vitamin D genommen, Magnesium, Kupfer, Zink, Selen, B-Vitamine und noch einiges mehr, das im Mangelzustand oder auf einem kritischen Niveau lag. Es sollte weit über ein Jahr dauern, bis sich wieder ein gesunder Status im Blut eingestellt hatte. Der jahrelange Stress und die zuvor suboptimale Ernährung hatten sehr viel aufgezehrt.
  • Ende Oktober 2016 – Der totale Zusammenbruch, maximal 1-2 Stunden Schlaf die Nacht, extreme Schweißausbrüche, Angst, Schwindel, Sehstörungen, extremes Zittern, nicht den Wunsch zu sterben, aber das jemand einfach für einige Zeit den Aus-Knopf drückt. Sodbrennen das mir die Magensäure nachts regelrecht in den Mund kippte und starker Gewichtsverlust. Totale Realisation unter Heulkrämpfen das es nun vorbei ist mit meinem vorherigen Leben und das Eingeständnis das ich wirklich ein heftiges Burnout habe. Es sollte eine 10- monatige Krankschreibung folgen.
  • November 2016 – Ab und zu konnte ich wieder etwas mehr schlafen. Die meisten Symptome blieben zunächst jedoch.
  • Dezember 2016 – Das erste Weihnachten nach Jahren im Beruf vollständig zu Hause. Mein Gemütszustand und meine Symptome schwankten stark, alles war mir irgendwie zu viel. Erbrechen, Übelkeit, Kloß im Hals, weiter Schlafstörungen und Ängste sowie psychosomatisches Asthma. Starke innere Unruhe und selbst ein Arzttermin oder das Einkaufen erreichte bereits mein Stresslimit da sich ertragen konnte.
  • Januar 2017 bis Anfang März 2017 – Aufenthalt von über 9 Wochen in einer Psychiatrie mit Schwerpunkt Hypnose. Dies war ein gigantischer und entscheidender Schritt nach vorne. Das erste Mal wieder richtig lachen können, wesentlich bessere Schlafqualität gefunden, einige Symptome hatten sich reduziert, manche sind ganz verschwunden und wieder andere sollten noch eine ganze Zeit bleiben.
  • März 2017 – Das erste Mal wieder zu Hause, eingewöhnen war angesagt und die Zeit nehmen die ich für mich brauchte. Ich schlief zunächst in einem separaten Raum und ging täglich alleine für Stunden in die Natur. Zusätzlich fing ich an immer öfter zu meditieren. Ernährte mich gesünder, nahm weiter Nahrungsergänzungsmittel, aber inzwischen nur noch sechs oder sieben Stück. Das Blutbild verbesserte sich kontinuierlich. Ich stellte die Zufuhr von Baldrian und Johanniskraut vollständig ab. Einige psychische und psychosomatische Symptome waren schwankend aber immer noch häufig vorhanden. Insbesondere das Kloß Gefühl im Hals, die immer wieder aufkeimende innerliche Unruhe und auch ein psychosomatisches Asthma, was durch geringsten Stresseinfluss immer wieder ausgelöst wurde. Zwischendurch schnürte mir das Kloßgefühl in Kombination mit dem Ziehgeräusch regelrecht den Atem ab.
  • April bis Juni 2017 – Der Schlaf wurde immer besser, nahezu tägliche Spaziergänge in der Natur, wöchentliches Qi Gong und noch regelmäßigere Meditation, etliche Bücher gelesen, YouTube Videos und Dokumentation geschaut und stets an mir selbst gearbeitet. Die meisten psychischen und körperlichen Symptome waren entweder weg oder zumindest nur noch reduziert vorhanden. Im Mai startete ich eine Unterstützende ambulante Therapie mit einem Psychologen. Es war mehr eine Feedbackrunde, aber hilfreich.
  • Juli – August 2017 – Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Ein Karussell der Gefühle, Aufregung und auch Ängste. Ab Anfang August die tägliche Meditation eingeführt.
  • September 2017 – Wiedereinstieg in meinen alten Beruf und in die alte Arbeitsumgebung. Abszess unter dem Arm bekommen, der in einer OP weggeschnitten wurde. Knapp drei Wochen Krankenschein, nach Widerankunft die Feststellung, dass nun noch weniger Personal zur Verfügung steht, die Krankenquote extrem hoch ist und die Stimmung insgesamt freundlich gesagt ein sehr dürftiges Niveau hat. Trotz Schwankungen war ich interessanterweise aber ruhiger, viel mehr bei mir selbst und alles was ich zuvor gelernt hatte zeigte Wirkung in unterschiedlicher aber durchweg positiver Weise. Mein Mitarbeiterteam mit dem ich mich sehr gut verstand und auch heute noch gut verstehe unterstützte mich, so war alles wesentlich erträglicher.
  • Oktober 2017 – Dezember 2017 – Trotz ständiger Unterbesetzung und hohem Stressniveau blieben meine restlichen Symptome konstant und verbesserten sich sogar. Ich war meist ganz bei mir selbst, die Meditation machte ich täglich weiter und auch das Lesen lies ich mir nicht nehmen. Überstunden machte ich im Vergleich zu früher nur noch selten. Um diese Zeit herum verschwand auch mein psychosomatisches Asthma und der Kloß im Hals trat wesentlich seltener und wenn dann abgeschwächter auf. Die meisten Symptome waren inzwischen weg.
  • Das Jahr 2018 – Hier ging es insgesamt in Wellen Stück für Stück weiter nach oben. Meine Blutwerte waren Anfang des Jahres endlich auf einem sehr guten Niveau. Der Mangel an Magnesium, Vitamin D, Zink, B Vitamine usw. war vollständig beseitigt, die Ernährung deutlich verbessert, die Bewegung erhöht und die tägliche Meditation zum Standard wie Zähneputzen geworden. Ende 2018 bereitete ich mich dann auf einen totalen Neuanfang in der Selbständigkeit vor. Symptome wie insbesondere der Kloß im Hals gab es auch noch 2018, aber nur noch selten. Alle anderen Symptome waren nahezu verschwunden, ab und zu kam noch etwas Angst oder Unruhe hoch, aber auch das war auf einem absolut niedrigen Niveau. Im März 2018 beendete ich die ambulante Psychotherapie. Auch den Tod meines Vaters im April 2018, konnte ich viel besser durch die ganzen Maßnahmen die ich für mich getroffen hatte verarbeiten.
  • Januar 2019 – Februar 2019 – im Februar 2019 verließ ich meinen ehemaligen Betrieb in dem ich 16 Jahre beschäftigt war im Guten und einigte mich in beidseitiger Zufriedenheit mit einer Auflösung meines Arbeitsvertrages. Kurz danach machte sich eine schon sehr lange nicht mehr dagewesene Freude und Motivation breit. Es sollte zunächst aber nochmal ein regelrechtes „Auskotzen“ des Körpers stattfinden, was mich über 6 Wochen teils vollständig lahmlegte. Eine sehr heftige Erkältung mit Sekundärinfektion und wochenlangen extremen Halsschmerzen und eitrigen Entzündungen im Hals folgten. Mein Körper entgiftete sich regelrecht von Grund auf.
  • Februar 2019 bis zu diesem Beitrag August 2019 – Nach dem Mai 2019 ging es von einem bereits sehr guten Niveau immer weiter Berg auf, inzwischen geht es mir wesentlich besser als vor dem Burnout und mein Leben hat sich grundlegend geändert. Trotzdem arbeite ich natürlich weiter an mir und führe diese Veränderungen im positiven Sinne fort.

Fazit:

Das war wirklich nur die ganz kurze Fassung meiner persönlichen Burnout Geschichte. Sie soll ganz klar verdeutlichen, dass die Heilung von einem Burnout sehr viel Zeit beansprucht und die Dauer absolut individuell zu sehen ist. Hätte ich auf die erstbeste Ärztin gehört und die Psychopharmaka geschluckt und einfach sonst nichts Großartiges gemacht, dann würde es mir heute wohl nicht ansatzweise so gut gehen. Ich möchte damit Niemanden von ärztlich verordneten Medikamenten abhalten, doch aus meiner Sicht und persönlichen Meinung sind sie nicht die Lösung und wirklich nur in ganz extremen Fällen sinnvoll.



Es hängt ganz von einem Selbst ab, ob und wie lange es zur Heilung eines Burnouts mit all seinen Symptomen dauert. Ein Zeitlimit oder unnötiger Druck den man sich dabei macht ist absolut kontraproduktiv. Auch das man sich ein Leben wie zuvor wünscht, ist ebenfalls die falsche Einstellung, denn dieses hat ja gerade erst zu dem Burnout Zustand geführt in dem man sich befindest oder befunden hat! Zu guter Letzt jetzt zu meiner Heilungsdauer vom Burnout. Fasst man die Zeitspanne von Juni 2016 bis zum Mai 2019 und somit zur vollständigen Heilung zusammen, dann waren es 2 Jahre und 11 Monate. Bis zu einem akzeptablen Zustand würde ich sagen waren es ein bis eineinhalb Jahre.

Persönliche Empfehlung auf dieser Webseite:
Gerne kannst Du auch an meinem ausführlichen Burnout Test teilnehmen, selbstverständlich ist dieser kostenlos und ohne Angabe Deines Namens oder Deiner E-Mail Adresse nutzbar.

Zum Thema weiterführende Informationen und zusätzliche interessante Beiträge:



Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, freue ich mich wenn Du ihn teilst...
Über Marco Eitelmann 33 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*