Negativer und positiver Stress – Worin liegen die Unterschiede?

Eine Achterbahnfahrt ist ein gutes Beispiel für die Erzeugung von positivem Stress, zumindest für einen Menschen der sie gerne fährt...
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Beide Stressarten werden jeweils durch einen Fachbegriff unterschieden. Für den als positiv eingestuften Stress, wird das Wort „Eustress“ verwendet und für den als negativ geltenden Stress das Wort „Distress“. Letzterer ist verantwortlich für eine Vielzahl von psychischen und psychosomatischen Krankheiten und gilt ebenso als einer der Hauptauslöser von unterschiedlichen körperlichen Symptomen. Der Herzinfarkt ist zum Beispiel nur eine – wenn auch sehr häufige und lebensgefährliche Form – von stressbedingte körperlichen Erkrankungen.

Die individuellen Empfindungen und der persönliche Umgang bei Stress sind bei jedem Menschen völlig unterschiedlich

Stress ist nicht gleich Stress. Jegliche Form von Stressfaktoren, werden von den Personen die ihnen ausgesetzt sind völlig unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet. Dies betrifft sowohl die körperliche als auch physische Reaktion darauf. Einige Menschen schütten bereits bei kleineren Stresssituationen, die von anderen Personen als völlig unbedeutend eingestuft werden, erhebliche Mengen an Stresshormonen aus.


Diese verschiedenen Stressperspektiven kennt jeder. Wer sich z.B. am Arbeitsplatz oder durch ein privates Problem bei einem seiner Mitmenschen gewundert hat, warum dieser nun komplett am ausrasten ist, man selbst aber wenig bis gar nicht davon berührt wird, der kennt die Situation nur zu gut. Es kommen dann meist bei dem „Zuschauer“ Fragen auf wie: „Warum ist der deswegen denn so gestresst und aufgebracht?“ oder „Das ist doch absolut keine Grund sich aufzuregen“…

Das Ganze kann aber auch umgekehrt erlebt werden. Man ist komplett am Limit und am Ausrasten, während sich z.B. ein Kollege mit der Kaffeetasse langsam ins Büro schleicht, die Arbeit erst mal links liegen lässt und es sich gemütlich macht, während Du hingegen schon Stundenlang am rotieren bist.

Bei jeder dieser Möglichkeiten entscheiden etliche persönliche Faktoren über die eigene Reaktion auf den tatsächlichen oder vermeintlichen Stress. Das betrifft hauptsächlich folgende Punkte:

  • Die persönliche Stress Resilienz, je höher diese ist, desto geringer die Reaktion auf körperliche und psychischer Ebene
  • Die Kindheitserfahrungen – Wie haben meine Eltern und Verwandten und Freunde früher auf Stress reagiert?
  • Die Sozialisation – War mein bisheriges Leben stressgetrieben, angespannt und ernst oder ging es mehr um den Spaß und die Ruhe?
  • Wie sehr beschäftigt Dich das Thema das gerade Stress erzeugt? – Bist Du der Betroffene, eine neutrale Person oder vielleicht sogar der Täter der den Stress erzeugt (Mobbing?)
  • Wie stressresistent oder stressauslösend ist Dein Umfeld? Arbeitest Du z.B. in einer Firma in der ständig Dauerpanik und Existenzangst sowie extremer Arbeitsdruck herrscht? Dann färbt sich das irgendwann langsam auf Dich ab, außer Du bist wirklich extrem resilient gegen Stress.
  • In wie weit kannst Du nach dem Stress entspannen und Dich davon erholen? Je geringer und weniger nachhaltig diese Erholungsphasen sind, desto mehr sinkt auch Deine individuelle Schutzmauer gegen weiteren Stress.
  • Deine Rolle und persönliche Einstellung unter einer Stresssituation bzw. zum Stressfaktor selbst. Stell Dir vor Du bist Geschäftsführer eines großen Unternehmens mit mehreren Angestellten und es tobt eine Wirtschaftskrise, die Umsätze sinken, der Auftragslage ist aktuell schlecht, Dein persönliches Einkommen sinkt und vielleicht musst Du bald Mitarbeiter entlassen. Wen betrifft diese Stresssituation wohl am meisten? Dich oder einen Deiner Mitarbeiter der ein Jahr vor der Rente steht?
  • Deine Gedanken und Glaubenssätze sind maßgeblich daran beteiligt wie Du Stress empfindest, grundlegend wahrnimmst und verarbeitest und wie deine Psyche und dein Körper darauf reagieren. Die Gedanken sind die Basis im Umgang mit Stress.

Die hormonellen Reaktionen und die daraus resultierenden unzähligen automatischen Körperreaktionen sind bei Stressituationen evolutionsbedingt absolut sinnvoll. Früher gab es meist nur die Entscheidung zur Flucht oder zum Kampf. In beiden Situationen ist ein mit Adrenalin, Cortisol und Noradrenalin kurzfristig vollgepumpter Köper mit seinen so extrem geschärften Sinnen und Reaktionen absolut überlebensnotwendig. Heutzutage ist das ist in 99,9 Prozent der Fälle am Arbeitsplatz total unnötig, es passiert nichts lebensbedrohliches. Die Gedankenmuster und Probleme sowie Abhängigkeiten fühlen sich aber häufig für die Betroffenen genau so an als wären sie tatsächlich existenzbedrohend, entsprechend reagiert dann der Körper darauf.


Was bitte ist positiver Stress?

Positiver Stress führt natürlich auch zur Ausschüttung von Stresshormonen. Ist die Situation dann allerdings vorbei, werden diese schnell wieder abgebaut und Glückshormone überschütten den Körper. Stresshormone an sich sind wie bereits gesagt überlebensnotwendig und nicht generell einfach nur ungesund.

Wurde ein Mensch früher z.B. von einem Raubtier verfolgt, dann bauten sich die Hormone danach ebenfalls ganz schnell wieder ab. Bleiben sie jedoch ständig im Körper und werden immer wieder nachproduziert, dann kann sich auch eine positive Stresssituation auf Dauer in eine Negative wandeln, sei es am Arbeitsplatz oder Privat. Bei Menschen mit einem Burnout sagt man ja auch so schön: „Der oder die hat vorher für ihren Job gebrannt“.

Zwei einfache und schnelle Beispiele für positive Stresseinflüsse

Job:
Du machst genau den Beruf der Dir Spaß macht, ein großes neues Projekt kommt herein, Du bist begeistert. Du machst freiwillig und gerne Überstunden, Du liebst es an dieser Aufgabe zu arbeiten, Du möchtest am liebsten gar nicht mehr aufhören. Du stehst unter Strom, bist aber glücklich dabei. Das Projekt ist zu Ende, Du präsentierst es und es war ein voller Erfolg. Danach fühlst Du dich großartig. Das ist positiver Stress im Beruf! Wenn Du Dir im Anschluss wieder ausreichend Ruhe gönnst und das Ganze feierst, dann ist es auch langfristig in Ordnung.

Privat:

Du besuchst einen Freizeitpark mit einer neuen gigantischen Achterbahn. Du liebst Achterbahnen, Du bist schon ganz hibbelig. Du fährst sie hoch, das Adrenalin schießt durch Deine Adern, jetzt kommt die Abfahrt, Dein Körper bebt, Du schreist vor Aufregung, Glück, Emotionen. Danach wird Dein Gehirn direkt mit Glückshormonen wie Serotonin geflutet. Die Situation ist vorbei. Die Stresshormone werden nun schnell wieder abgebaut, da Dein Körper Gegenspieler zu diesen aussendet. Du bist nach diesem positiven Stresserlebnis richtig gut drauf, energiegeladen und hellwach.

Negativer Stress mit gesundheitlich langfristig verheerende Folgen…

Negativer Stress ist wie der Name bereits verrät das genaue Gegenteil vom positiven Stress. Er ist kurzfristig erträglich, nicht immer vermeidbar und sollte aber auf keinen Fall zum Dauerzustand werden. Er kann zu schweren körperlichen Folgen führen, wie z.B. den bereits erwähnten Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen und sich über weiteren Symptomen bemerkbar machen. Insbesondere lastet negativer Stress stark auf der Psyche und kann so zur Entwicklung von schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Panikstörungen sowie etlichen psychosomatischen Leiden beitragen.

Was negativer Stress ist und wie er sich anfühlt, das dürfte schon ziemlich jeder Mensch selbst erlebt haben und es bedarf somit keiner großen Beispiele. Ob der negative Stress mit dem ersten Leistungsdruck in der Schule oder gegebenenfalls in einem folgenden Studium das erste Mal wahrgenommen wird oder später in einem Job, den man vielleicht gar nicht mag oder in einer Firma mit miesem Betriebsklima zum Tragen kommt ist letztendlich egal. Negativer Stress ist gesundheitsschädlich!

Fazit:



Wie bereits erwähnt, kann sich aber auch positiver Stress auf längere Sicht in Negativen umwandeln. Wer ständig über seinem Limit lebt und regelmäßig ohne Rücksicht auf Verluste an seinem Körper unterwegs ist, der kann vor allem bei einer Verschlechterung der Arbeitssituation oder anderen unerwartet negativen Einflüssen schneller ausbrennen als ihm lieb ist. Das trifft insbesondere dann zu, wenn man sich nicht ausreichende Ruhepausen und Ausgleichsmöglichkeiten schafft und die Arbeit den Lebensmittelpunkt darstellt. Wird man gekündigt oder fällt aus, dann ist plötzlich durch Fremdbestimmung oder ein unerwartetes Ereignis der Lebensmittelpunkt weg. Das kann einen Menschen zunächst in ein tiefes Loch fallen lassen. Selbst bei Rentnern, die sich jahrelang zuvor vielleicht sogar über ihre Arbeit beklagt haben, ist das häufig gut erkennbar.

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Über Marco Eitelmann 33 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

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