Täglich mindestens zwei Stunden „Waldbaden“ hilft bei vielen psychischen Leiden insbesondere bei Burnout und Depressionen

Die Geräusche, die Farben und der Geruch des Waldes beruhigen. Waldbaden ist in einigen Ländern schon als medizinisch wirksame Therapieform anerkannt und wissenschaftlich gut erforscht. Der Wald ist die Quelle der Entspannung und Regeneration.
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Es gibt eine sehr einfache und zugleich äußerst bequeme Art etwas gegen Burnout, Depressionen und viele weitere psychische und psychosomatische Symptome zu unternehmen. Der Weg dazu führt mindestens zwei Stunden täglich in die Natur, am besten in den Wald. Zwar ist der reine Aufenthalt im Grünen kein alleiniges Wundermittel gegen alle psychischen Probleme, leistet jedoch enorme Unterstützung beim Heilungsprozess. Insbesondere bei einem sehr hohen Stresslevel und einem völlig ausgebrannten und überforderten Körper und Geist, hilft das sogenannte „Waldbaden“ besonders gut. Der recht neue Begriff des „Waldbadens“ stammt aus dem japanischen Raum und wird dort „Shinrin Yoku“ genannt. Es ist wissenschaftlich sehr ausführlich erforscht und bewiesen worden, dass allein schon der reine Aufenthalt im Wald bereits nach nur einer Stunde zu einer deutlichen Reduzierung der Stresshormone, der Anspannung und der Unruhe im Körper führt. In Japan widmet sich ein eigener Wissenschaftsbereich den positiven Auswirkungen des Waldes auf den Menschen.



Das Waldbaden kann man ganz einfach mit zusätzlichen Maßnahmen gegen psychische Probleme verbinden…

Waldbaden ist leicht umzusetzen und dabei äußerst bequem und erholsam. Es kann mit weiteren Maßnahmen gegen Burnout, Depressionen und Ängsten verbunden werden. Es ist z.B. sehr effektiv in der freien Natur zu Meditieren. Zwar kann man auch zu Hause eine sehr tiefe Meditation erreichen, doch an einem schönen und ruhigen Ort Mitten in der Natur steigt der Wohlfühlfaktor und die Konzentration deutlich an. Man kann sich gezielt auf einzelne Geräusche konzentrieren wie beispielsweise das Zwitschern eines Vogels oder den Lauf eines Baches oder auch dem Rauschen der Blätter im Wind. Natürlich funktioniert es auch in der Natur mit der typischen Konzentration auf den Atem beim Meditieren. Auch Qi Gong Übungen oder Thai Chi lassen sich ganz hervorragend im Wald auf einer Lichtung oder zwischen den großen Moosflächen eines Nadelwaldes ausführen. Die Luft und der hohe Sauerstoffgehalt fördern die Energie und Erholung des Körpers, zusätzlich finden sich noch allerhand positiver Stoffe in der Umgebungsluft, die durch Pflanzen freigesetzt werden. Dies sind vor allem ätherische Aromastoffe die von den Bäumen vornehmlich aus der Rinde und den Nadeln abgegeben werden. Auch diese wurden wissenschaftlich untersucht und deren beruhigende und entspannende Wirkung bestätigt. Selbst die Farben des Waldes und die natürlichen Geräusche und deren Auswirkungen auf den Menschen wurden eingehender untersucht und als durchweg positiv für das Gemüt und die Heilung sowie die Hormonregulation im menschlichen Körper bestimmt.

Wie funktioniert Waldbaden richtig?

Egal ob Du einfach über einen Spaziergang in die Natur gehst oder ein richtiges „Waldbad“ praktizierst, Du solltest dabei unbedingt berücksichtigen, dass es kein festes Ziel, keine spezifische Herausforderung, kein Pensum oder Ähnliches gibt, dass Du nun leisten bzw. erreichen musst. Der Weg ist hier im wahrsten Sinne des Wortes das Ziel und dieser Weg muss nicht einmal besonders lang sein. Wenn Du eine schöne Stelle im Wald gefunden hast an der Du Dich besonders wohl fühlst, dann halte an und setz Dich. Bleib so lange sitzen oder auch Stehen wie Du möchtest, die Zeit von Stress und Druck ist hier vorbei. Du kannst einen Waldweg den Du begehen möchtest zwar planen, doch kannst du auch von diesem Plan abweichen. Es geht nur um die Ruhe, das Wohlfühlen und die Freiheit. Einige Dinge kannst Du jedoch im Wald besonders gut ausführen, um zusätzlich etwas gegen viele Arten von psychische Leiden zu unternehmen und Dich zu stabilisieren.

  • Wenn Du einen besonders schönen Ort gefunden hast, vielleicht ein Bachlauf, oder ein mit Moos bedeckter Birkenwald, am besten mit einem Baumstumpf als Sitzgelegenheit, dann setz Dich dort hin, spüre wie es Dir an diesem Platz geht und wähle so Plätze für zukünftige Meditationen aus. Natürlich kannst Du, wenn Du willst auch direkt damit beginnen. Es ist Dir überlassen eine Stand- oder Sitzmeditation zu machen, nur mach sie ohne vorgegebene Zeitlimits. Wenn sie nur 5 Minuten dauert, weil Du noch sehr unruhig bist, dann ist das auch Ok.
  • Größere freie Waldflächen die idealerweise nicht direkt einsehbar sind können auch für Thai Chi oder besonders langsame Qi Gong Übungen genutzt werden, bei denen viele Menschen keine Beobachter wünschen. Auch eine langsame Gehmeditation ist dort wunderbar möglich.
  • Es gibt einige Stationen im Wald, die man nach mehreren Einheiten des „Waldbadens“ gerne und verbunden mit einer hohen Anziehungskraft immer wieder aufsucht. Plätze die Dir besonders viel Kraft und Erholung spenden kannst Du zu einer kleinen Tour zusammenfassen und regelmäßig abgehen. Nimm Dir dazu viel Zeit und mach kein „Muss“ daraus, jedes Mal alle Plätze und Stationen unbedingt aufsuchen zu müssen!
  • Waldbaden kannst Du auch mit nur wenigen Gehminuten und stattdessen etlichen Stunden Sitzen durchführen. Beobachte einfach mal nur die Insekten oder andere Tiere. Verfolge die Ameisen beim Bau ihres Haufens, oder schau Dir die Bienen und Hummeln an. Es geht darum möglichst einfach nur „zu sein“, den Moment zu erleben und nicht über irgendetwas stressiges nachzudenken oder was morgen ist und gestern war. Lebe im Moment! Am Anfang ist dies sehr schwierig, aber der Moment und das Gefühl für das Hier und Jetzt kommt mit der Zeit.

Wer sich mehr für das Thema Waldbaden, seine Hintergründe und die gesundheitlich positiven Auswirkungen interessiert, dem kann ich das Buch von Universitätsprofessor und Forscher Yoshifumi Miyazaki* empfehlen. Es ist knapp 200 Seiten groß und umfasst den Kern des Themas aus praktischer und wissenschaftlicher Sicht sehr gut. Zusätzlich solltest Du Dich im Wald vor allem wenn Du Querfeld ein gehst unbedingt vor Zecken schützen!

Eigene Erfahrungen in der Natur, insbesondere im Wald während meines Burnouts und danach

Ich bin vor meinem Burnout relativ wenig in die Natur gegangen, nicht nur weil ich durch die Arbeit sehr wenig Zeit hatte, sondern weil ich die geringe Freizeit auch noch lieber mit unheilsamen Dingen wie TV schauen, sinnlos im Netz umhersurfen, vor allem auf Social Media- und News Plattformen und Computerspielen verbracht hatte. Das war äußerst bequem, aber auch sehr ungesund und alles andere als erholsam. Oft verbrachte ich so meine freie Zeit bis in die Morgenstunden, nur um mich abzulenken von dem was wieder an Stress auf der Arbeit bevorstand.
Ich fing schon einige Zeit vor meinen Burnout Tiefpunkt an endlich öfter in die Natur zu gehen. Es war am Anfang jedoch wie ein Zwang, ich muss raus, ich muss in den Wald und ich muss mich jetzt Erholen und Entspannen. Das dies nicht funktioniert dürfte klar sein, doch es ist zunächst schwierig sich an solche Umgebungen und Situationen zu gewöhnen, wenn man vorher nur gerannt ist und in wenigen Minuten oft drei- oder vier Dinge gleichzeitig erledigen musste und das 8-10 Stunden am Tag. Jetzt soll man einfach nur „spazieren gehen“? Ich sah es am Anfang eher als Aufgabe die gemacht werden muss. Als einige Wochen später tiefe Depressionen und stärkere Angstzustände bis hin zu Panikattacken eintraten lernte ich das Ganze endlich anders zu sehen. Ich wusste nun das es reicht mit dem was ich vorher gemacht hatte. Von Tag zu Tag ging ich lieber in den Wald und in die Natur, entfernte mich vom Dorf und bin zunächst gar nicht allzu weit gelaufen. Ich war zu Beginn noch äußerst unruhig, traurig, angsterfüllt und fühlte mich allgemein unbeschreiblich furchtbar. Ab und an war mir auch psychisch bedingt sehr schlecht und schwindelig. Ich hatte am Anfang im Wald oft geweint und viele tief depressive Schübe erlebt. Aber ich konnte bei jedem Besuch immer mehr loslassen. Wenn Du im Wald bist, dann lass Deinen Emotionen freien Lauf. Weinen tut gut, es ist ein großer Schritt endlich loszulassen von dem was nicht gut für Dich war bzw. ist und ein großer Schritt zur ersten Verarbeitung. Über die Wochen und Monate hatte ich immer mehr Momente im Hier und Jetzt erfahren, auch wenn ich z.B. „nur“ einen Käfer dabei beobachtet hatte wie er über den Baumstamm neben mir lief und mir dabei die Sonne ins Gesicht scheinen lies. Gib auch Dir viel Zeit, es dauert einige Wochen und Monate, aber es wird besser werden, wenn du möglichst täglich in die Natur gehst!



Fazit:

Heute gehe ich absolut freiwillig und gerne in den Wald, am liebsten jeden Tag mindestens 2-3 Stunden. Ich habe dabei auch neue Hobbys wie das Pilze- und Wildkräuter sammeln entdeckt. Oftmals bin ich für Stunden fast ausschließlich im aktuellen Moment und schweife wenig mit den Gedanken ab. Ich bin auch viel achtsamer in der Wildnis geworden. Es ist ein wunderbarer Zustand dank dem Wald und der Natur! Auch wenn es am Anfang oft sehr schwer fällt einfach nur umherzulaufen, zu versuchen die Gedanken an Zukunft und Vergangenheit sowie aktuelle Probleme ruhen zu lassen und im Moment zu leben, so lohnt es sich doch sehr und macht sich auf lange Sicht positiv bemerkbar. Es ist gut für Deinen Körper, aber vor allem auch für Deinen psychischen Zustand. Das Waldbaden und sehr viel in die Natur sein, gehörten mitunter zu den besten Maßnahmen gegen mein damaliges Burnout, die ich schon sehr früh getroffen hatte. Auch heute helfen sie mir nachhaltig auf einem stabilen psychischen Niveau zu bleiben und mich weiterzuentwickeln.

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Über Marco Eitelmann 4 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

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