Was ist der Unterschied zwischen Angstzuständen und Panikattacken?

Ein Schiff im Wasser kann bis zu einem gewissen Wellengang kontrolliert werden. Im Sturm kann es unkontrollierbar sein. So ähnlich ist es aus meiner Sicht auch zu erklären, wenn die Angst zur Panik eskaliert...
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Gibt es einen Unterschied zwischen Angst und Panik? – Ganz klar, Ja! Wer schon einmal unter Angstzuständen gelitten hat, für den wird der Übergang zur Panik bis hin zu einer ausgewachsenen Panikattacke im Vergleich zu einem Menschen der diesen Zustand noch nie erlebt hat wohl eher bekannt sein. Für nicht Betroffene ist die Panik oft sehr schwer bis gar nicht nachvollziehbar, wenn sie nicht mit akut lebensbedrohlichen Situationen zusammenhängt. Panik und Angst haben einen recht fließenden Übergang. Man könnte auch sagen die Panikattacke ist die Eskalation der vorangegangen Ängste. Auch ich hatte während meines Burnouts mehrere Panikattacken die aus zuvor jahrelang aufgebauten Ängsten und daraus später resultierenden Angstzuständen entstanden waren.


Worin besteht der Unterschied zwischen Angst und Panik?

Ich finde die Beurteilung, was nun der Unterschied zwischen beiden Zuständen genau sein soll, als gefühlsmäßig absolut individuell. Der Übergang ist oft fließend aber für den Betroffenen meist deutlich spürbar. Plötzlich auftretende Angst wird von einigen Betroffenen bereits als Panik bezeichnet von anderen Menschen wiederum nicht. Allein schon die Angst an sich ist von extrem unterschiedlichen Intensitäten gekennzeichnet. Von einer leichten Angst nach dem Übergang von zuvor bloßer Furcht oder einfachen Bedenken, bis hin zur lähmenden, blanken Angst die dann in die völlige Panik mit entsprechenden schweren körperlichen Symptomen übergeht.

Selbst erfahrenen Psychotherapeuten definieren die Grenzen unterschiedlich. So wird die Panikstörung oder auch Panikattacke z.B. auch häufig so formuliert:

„Bei einer Panikstörung leidet der Betroffene unter wiederkehrenden schweren Angstanfällen mit entsprechenden akuten körperlichen und psychischen Symptomen“

Für mich persönlich und somit aus eigener Erfahrung entsteht eine Panikattacken aus der Eskalation eines Angstzustandes der nicht mehr „kontrollierbar“ ist. Die Angst ist dann zuvor so groß geworden, dass Symptome wie Zitteranfälle, Herzrhythmusstörungen, heftige Schweißausbrüche bis hin zum Gefühl „Verrückt zu werden“ oder der Derealisation und Depersonalisierung im Extremfall auftreten können. Bei manchen sind diese Eskalationen auch mit starkem Schwindel, heftigen Bauchkrämpfen, Durchfall oder einer Bewegungsunfähigkeit geprägt sowie vielen weiteren möglichen Symptomatiken.

Panik ist unkontrolliert – Angst noch irgendwie „unter Kontrolle“ zu halten und Furcht ist der Vorgänger von Angst. So würde ich die Unterschiede in der Kette Furcht – Angst – Panik aus eigener Sichtweise und Erfahrung unterscheiden und anordnen.

Was kann alles eine Panikattacke Auslösen?

Im Grunde braucht es für eine richtige Panikattacke keine bewussten Auslöser, denn sie können auch unterbewusst entstehen. Wenn allerdings auch etwas aus dem Unterbewusstsein hochkommt, dann wird dieses entweder von Außerhalb ausgelöst oder bereits ein bloßer Gedankengang reicht dazu.

Typische Auslöser für Panikattacken lassen sich in einige wenige große Bereiche unterteilen, die wiederum jedoch aus hunderten einzelnen Gründen oder Kombinationen aus diesen Möglichkeiten bestehen können.

Tatsächliche Umgebungseinflüsse z.B.:

  • Enge, Platzangst (Agoraphobie)
  • Überfüllte Räume
  • Wenig Sauerstoff
  • Dunkelheit
  • Gerüche
  • Krankheiten
  • Bedrohliche Personen
  • Situationen denen man sich stellen muss
  • Angriffe von Tieren Wildschwein, Biene (vor allem bei Allergikern)

Einflüsse aus der eigenen Gedankenwelt

  • Erwartungsangst (Angst vor der Angst)
  • Negative Glaubenssätze die auf eine Situation zutreffen oder auch nicht
  • Negative Gedanken die sich immer weiter steigern und ausbauen
  • Generalisierte Angst
  • Handlungen und Reaktionen aus Kindheit, Erziehung und Sozialisierung
  • Aufgrund von Phobien

Eigene Erfahrung mit dem Übergang von Angst zu Panik

Ich durfte während meines Burnouts auch den Übergang von Angst zur Panik sowie einige Stunden innerhalb ausgewachsener Panikattacken verbringen. Ich konnte die Grenze zwischen beiden Zuständen regelrecht spüren und wusste vor allem zu Beginn meiner damaligen psychischen Probleme: „Jetzt kann ich es nicht mehr stoppen“.

Wenn ich z.B. abends, teils auch schon nachmittags meine Angst vor der Nacht und den dortigen erwarteten psychischen Reaktionen und auch körperlichen Symptomen bekam. Diese baute sich dann immer weiter auf. Mein Körper zeigte immer mehr Reaktionen, von unkontrollierten stundenlangen Schweißausbrüchen, Herzrhythmusstörungen, Kloß im Hals, Sodbrennen sowie Übelkeit und teils auch Schwindel. All das war „nur“ Angst.

Ab und zu eskalierte die Situation vor allem in den ersten Monaten. Alles ging bis an eine Grenze in der so viele Symptome und Reaktionen des Körpers kamen, dass ich dachte ich werden verrückt… Ich will schreien… alles um mich rum ist so nicht real, was oder wer bin ich, werde ich verrückt? Ich halte es nicht mehr aus!

Ab dem Moment war die Angst dann bei mir in den Übergang zur totalen Unkontrollierbarkeit gegangen. Wer schon einmal eine Panikattacken hatte, der weiß wie es dann weitergehen kann und wie es sich anfühlt. Das ist dann echte Panik! Für mich sind es unkontrollierbare Reaktion auf die vorher bestehenden Angstzustände.

Im Verlauf der ersten sechs Monate kamen diese Paniken regelrecht zusammen mit der Angst aufgestiegen, teilweise bei einfachen Dingen wie beim Fernsehschauen oder beim Einkaufen. Innerhalb von wenigen Minuten Furcht, sofort Angst als Reaktion und dann ab und an bis hin zur Panik. Heute bin ich davon geheilt. Mir geht es viel besser als vor der ganzen Eskalation im Jahr 2016. Medikamente habe ich keine genommen, ich hatte andere persönliche Maßnahmen getroffen.



Fazit:

Für diejenigen die den Unterschied zwischen Furcht, Angst und Panik noch nicht selbst erlebt haben ist es immer wieder etwas schwierig diesen möglichst verständlich zu beschreiben. Als ich noch keine Erfahrung damit hatte, traf ich auch eher mit Unverständnis den Betroffenen gegenüber. Sowohl Angstzustände als auch die dadurch entstehenden Panikattacken sind aus meiner persönlichen Sicht und Erfahrung heilbar, nur eben nicht von heute auf morgen. Diese besonderen Fälle der Schnellheilung gibt es zwar tatsächlich, doch meist bedarf es sehr viel Zeit und einer nachhaltigen Bearbeitung der Ursachen für solche psychischen und letztendlich dann auch körperlichen Reaktionen. Diese Zeit sollte sich jeder ohne Druck nehmen.

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Über Marco Eitelmann 32 Artikel
Ich war selbst im Jahr 2016 von einem schweren Burnout betroffen. Ich hatte Depressionen, Angstzustände, Panikattacken und etliche psychosomatische Symptome, wie extreme Schlafstörungen, Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, Schweißausbrüche und viele weitere gesundheitliche Probleme. Ich möchte auf meiner Webseite meinen persönlichen Weg aus dem Burnout schildern und beschreiben welche psychischen und körperlichen Symptome ich hatte und was mir letztendlich alles wirklich geholfen hat um wieder gesund zu werden.

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